Was uns ProSieben-Moderator Stefan Raab bei seinem nunmehr dritten Bundesvision Song Contest aufgetischt hat, war alles andere als hitverdächtig: Es fehlte den meisten Teilnehmern nicht nur an Bekanntheitsgrad, sondern auch an Stimme und guten Songs.
So schlurfte für Rheinland-Pfalz eine ziemlich schmuddelige Type namens Kalle über die Bühne und versuchte sich an deutschem Sprechgesang. Der Titel „Aber nice“ war leider ganz und gar nicht Programm. Da half auch die Unterstützung von Fanta4-Mitglied Thomas D. an der Trompete nichts. Diese peinliche Vorstellung verdiente nur das Prädikat „Aber sch…!“.
Andere Acts wie Northern Lite feat. Chapeau Claque oder Melotron aus Mecklenburg-Vorpommern wollten von ihren gesanglichen Defiziten mit Kampfsporteinlagen und Fahnen schwenkenden, jungen Damen ablenken. So etwas schimpft sich dann wohl: Viel Lärm um nichts!
Weniger laut, als vielmehr einschläfernd langweilig säuselte Manja aus Sachsen „Es ist Liebe“ ins Mikro. Spätestens nach ihrem Song hatte die höhepunktlose Veranstaltung das letzte bisschen Tempo verloren. Selbst harter, aber wenig herzlicher Deutsch-Rock von B-Stinged Butterfly aus dem Saarland konnte die tote Stimmung nicht wieder beleben.
Steht es um die deutsche Musikszene wirklich so schlimm? Wo waren die heißen Newcomer, die uns Raab versprochen hatte?
Allein die Bremerin Lea Finn lieferte mit ihrem Titel „Ich weiß und du weißt“ einen überzeugenden Auftritt ab. Der ganze unbekannte Rest dürfte nach den vielen schiefen Tönen wieder in der Versenkung verschwinden. Hoffentlich!
Wie schon in den letzten beiden Jahren war abzusehen, dass sich der Sieg zwischen den bereits etablierten Künstlern entscheiden würde:
Am Ende der Show gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Mia (Berlin), Ex-Echt-Sänger Kim Frank (Schleswig-Holstein), Jan Delay (Hamburg) und Oomph! feat. Marta Jandová (Niedersachsen). Abgesehen vom quäkenden Delay sangen Stefans Stars wenigstens besser als ihre unbekannten Kollegen. Einen wirklichen Hit hatte trotzdem keiner von ihnen im Angebot.
Doch darauf kam es beim Bundesvision Song Contest wie immer nicht an: Im Mittelpunkt standen unzählige Werbeblocks und Hinweise auf das Televoting per Handy. Schließlich muss so eine Großveranstaltung finanziert werden!
Die Frage ist nur: Wie lange noch? Das Interesse der Zuschauer hielt sich jedenfalls in Grenzen. Durchschnittlich 2,04 Millionen verfolgten die Show aus Berlin am heimischen Bildschirm. Im letzten Jahr wollten noch 2,48 Millionen Raabs Contest sehen, den Auftakt des Wettbewerbs im Jahr 2005 sogar 3,23 Millionen.
Nach dem enttäuschenden Bundesvision Song Contest 2007 dürfte es im kommenden Jahr weiter bergab gehen. Auch der Siegertitel „Träumst du?“ von Oomph! ist bis dahin sicher längst wieder vergessen.
Wer wirklich gut unterhalten werden will, schaltet lieber beim einzig wahren Liederwettbewerb ein: Der Eurovision Song Contest steigt am 12. Mai in Helsinki!
Schiefe Töne sind zwar auch dort nicht ausgeschlossen. Doch Kult bleibt eben Kult und eine billige Kopie nur eine billige Kopie…
Fotos: ProSieben