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 Teleterror/ZappingFreitag, 28. September 2007 um 15:32:25
Eine Überdosis Pseudo-Drama

Von Brüdern, Schwestern und der verfluchten Fliege an der Wand: Die neue US-Serie „Brothers & Sisters“ schäumt über vor lauter Drama – allerdings an den falschen Stellen.

In „Prison Break“ bangt Protagonist Michael Scofield um das Leben seines zu Tode verurteilten Bruders. Auf der Schreckensinsel in „Lost“ müssen überhaupt alle um ihr Leben bangen, während bei „Grey’s Anatomy“ in fast jeder Folge einer im Leichenkeller landet. Tränen, Konflikte und Verzweiflung sind in diesen Fällen bestens für den Zuschauer nachzuvollziehen.

Bei der neuen US-Serie „Brothers & Sisters“, die vor kurzem auf ProSieben gestartet ist, fällt das dagegen schwer. Zwar stirbt gleich in der Pilotfolge das Oberhaupt der amerikanischen Großfamilie Walker. Doch der Tod des geliebten Vaters sorgt nur am Rande für traurige Gesichter bei den Charakteren.

Wiedersehen mit Ally McBeal…

Viel lieber stören sich die Familienmitglieder an der Fliege oder auch an einem Bild an der Wand. So wurde die konservative TV-Journalistin Kitty Walker, gespielt von „einmal Ally McBeal – immer Ally McBeal“ Calista Flockhart, zuletzt ganz schnippisch.

Der Grund: Ihre Mutter Nora hat es gewagt ein Familienfoto aufzuhängen, auf dem nur Kitty nicht zu sehen ist. Eine Katastrophe – zumindest im überempfindlichen Hause Walker! Nora ist mindestens genauso hysterisch wie das Tochterherz. Bei der Besetzung der Rolle mit Sally Field, die schon in Kinofilmen wie „Nicht ohne meine Tochter“ die „Drama Queen“ zum Besten gab, verwundert das wenig.

Warum es ständig zwischen Mutter und Tochter kracht? Kitty hat einst ihren jüngeren Bruder Justin dazu überredet, für das Heimatland nach Afghanistan in den Krieg zu ziehen. Der ist inzwischen wohlbehalten, aber mit Drogenproblem von seinem Einsatz zurückgekehrt. Für Nora bleibt Kittys Aktion unverzeihlich, die politische Einstellung ihrer Tochter ist ihr ein Dorn im Auge. Deshalb kann sie es auch viel besser mit ihrem schwulen Sohnemann Kevin.

Verschenkte Konflikte, bediente Klischees…

Sogar Kitty hat mit ihren sonst so altmodischen Ansichten keine Probleme mit der sexuellen Neigung ihres Bruders. Alles Friede, Freude, Eierkuchen – und das ausgerechnet an der Stelle, wo sich ganz viel Konfliktpotenzial geboten hätte. Doch viel lieber suchen die „Brothers & Sisters“-Autoren dieses in verstaubten Soap-Klischees: Nicht nur der verstorbene Herr Walker entpuppt sich als ein böser Fremdgeher, der seine Frau jahrelang betrogen hat. Auch Kitty springt verbotener Weise mit ihrem Kollegen ins Bett, obwohl sie mit einem anderen schon so gut wie verheiratet ist.

Bei dieser obligatorischen Achterbahnfahrt der Gefühle darf Calista einmal mehr die Ally McBeal raushängen lassen: Wie schon damals als TV-Anwältin kann und will sie sich nicht so recht für einen der Traumprinzen entscheiden. Damit ein bisschen Action in das sonst durchschaubare Treiben kommt, stolpert sie zwischendurch auch mal in den Pool. Platsch!

Diese Schwester macht’s richtig…

Doch nicht alles plätschert so nett, aber unspektakulär bei „Brothers & Sisters“. „Six Feet Under“-Star Rachel Griffiths kann als Kittys große Schwester punkten, die tatsächlich noch die meisten Probleme bei den Walkers hat: Sie wird neue Chefin des Familienbetriebs, der aufgrund illegaler Machenschaften ihres toten Vaters vor dem Bankrott steht. Als wäre das nicht schon genug, muss Sarah neben dem Job auch noch Mann und Kinder unter einen Hut bringen.

Zugegeben, auch diese Storyline ist nicht wirklich innovativ. Doch anders als Calista Flockhart serviert Rachel Griffiths als Walker-Tocher keine Neuauflage ihrer alten Rolle aus „Six Feet Under“. Vielmehr spielt sie voller Hingabe und begnügt sich nicht etwa wie Serienbruder Tommy, dargestellt von Balthazar Getty, mit immer wieder demselben grimmigen Gesichtsausdruck. Griffiths lebt das, wenn auch allzu sehr konstruierte Drama bei „Brothers & Sisters“ und haucht so auch der Serie Leben ein.

Das Zuschauerinteresse blieb hierzulande bisher trotzdem sehr gering. Die Zankereien über die amerikanische Politik, die sich wie ein roter Faden durch die Folgen ziehen, sind wohl doch ein bisschen zu speziell fürs deutsche Publikum.

Absetzung nicht ausgeschlossen…

Hinzu kommt, dass „Brother & Sisters“ weder besonders witzig noch besonders spannend ist. Vergebens wartet man auf einen großen Knaller oder zumindest einen überraschenden Cliffhanger. Beides wäre auf einem späten Sendplatz, mittwochs um 22:15 Uhr, sicher von Vorteil, um die Zuschauer wach zu halten.

So kann es schon passieren, dass sie müde abschalten, wenn sich Sally Field und Calista Flockhart mal wieder mit Tränen in den Augen anbrüllen. Wegen dieser verfluchten Fliege an der Wand!

Da greift ProSieben vielleicht schon bald zur Absetzungs-Klatsche und macht kurzen Prozess…

Fotos: Disney ABC International Television


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Infos zum Autor

Michael Bauer wurde 1980 in Leonberg geboren und arbeitet als Redakteur und freier Autor. Momentan lebt er im badischen Ettenheim bei Lahr im Schwarzwald.


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