Finger weg vom TV-Kult!
von Michael Bauer
In den USA scheint es derzeit angesagt, tote Fernsehserien zu reanimieren. Auch der 90er-Hit „Beverly Hills“ muss dran glauben! Warum das Remake nur enttäuschen kann…
Den Amis fällt nichts mehr Neues ein. Deshalb kramen sie jetzt lauter alte Kultserien aus dem TV-Archiv, um sie neu aufzulegen. So darf auch K.I.T.T., das sprechende Superauto, in der kommenden Fernsehsaison wieder ran. Zum Glück wird allerdings nicht mehr David Hasselhoff als „Knight Rider“ hinterm Lenkrad sitzen.
Sonst dürfte die wieder belebte Serie schnell ein Ende finden – und zwar am nächsten Baum. Immer daran denken: Don’t drink and drive!
Apropos trinken: Wer auf die Idee kam, ein Spin-off der 90er-Teeniesoap „Beverly Hills, 90210“ in Angriff zu nehmen, muss definitiv unter nicht unwesentlichem Alkoholeinfluss gestanden haben. Vermutlich säuft dieser Jemand sogar regelmäßig, seit seine ehemalige Lieblingsserie vor gut acht Jahren eingestellt wurde. Eine Sucht hat da wohl die andere abgelöst.
Die „Beverly Hills“-Mogelpackung…
Doch das Kuriose an dem neuen 90210-Projekt ist etwas ganz anderes: Der US-Sender The CW hat die Schnapsidee unseres trinkenden Serienjunkies zwar tatsächlich aufgegriffen. Die geplante Umsetzung dürfte aber kaum in seinem Sinne liegen. Erste Details lassen schon erahnen: Die neue „Beverly Hills“-Serie als Spin-off zu bezeichnen, ist ziemlich gewagt… und vermutlich nur eine Marketingstrategie, um von der Popularität des Originalformats zu profitieren.
Im Klartext heißt das: Das so genannte Spin-off wird bis auf denselben Handlungsort und ähnliche Storylines wenig bis gar nichts mit dem alten „Beverly Hills“ zu tun haben. Immerhin berichtet die US-Presse von Gerüchten, dass Jennie Garth als Kelly Taylor oder Tori Spelling als Donna Martin zurückkehren könnten. Mehr als mit Nebenrollen oder Gastauftritten dürfen die blonden Serienzicken von damals aber vermutlich nicht rechnen. Mit dem Rest der Originalbesetzung gibt es voraussichtlich kein Wiedersehen.
Schade eigentlich, genau das hätte doch den Reiz eines Spin-offs ausgemacht. Was ist aus der versnobbten „Beverly Hills“-Clique geworden? Die möglichen Antworten auf diese Frage hätten genügend Stoff für mindestens weitere 293 Episoden geliefert!
Donna Martin als lüsterne Hausfrau…
Man stelle sich vor: Die einst so prüde Donna Martin, seit dem Serienfinale mit Jugendliebe David Silver verheiratet, vertreibt sich ihre Zeit als „Desperate Housewive“ mit diversen Affären. Ihr Mann David ist nur selten daheim in der dicken „Beverly Hills“-Villa, da er als erfolgreicher Musik-Manager ständig in der Weltgeschichte herumdüst.
Während ihrer Schäferstündchen schiebt Donna ihre dreijährigen Zwillinge Jenna und Justin immer zu ihrer besten Freundin und Nachbarin Brenda Walsh ab. Die ist schon vor Jahren nach Beverly Hills zurückgekehrt und lebt seither in wilder Ehe mit Dylan McKay zusammen. Der versucht sich inzwischen als Immobilienhai und ist wie einst sein Vater in dubiose Geldgeschäfte verwickelt. Brenda, die nach einer gescheiterten Schauspielkarriere Alkoholikerin ist, ahnt von alledem nichts. Sie ist viel zu sehr mit sich selbst und Donnas kleinen Satansbraten beschäftigt…
Am Ende bleibt nur heiße Luft…
Ähnliche, wunderbar klischeegetränkte Dramen hätten sich die Drehbuchautoren natürlich auch für Brandon Walsh, Steve Sanders, Valerie Melone und Co ausdenken können. Hauptsache ganz viel „Love, Sex, Crime“ und gemeine Cliffhanger wie in guten alten 90210-Zeiten!
Genau das erwaten die alten Fans doch, wenn von einem „Beverly Hills“-Spin-off die Rede ist. Alles andere kann sich am Ende nur als bittere Enttäuschung oder miese Kopie entpuppen.
Das Fazit deshalb: Finger weg vom TV-Kult – her mit wirklich neuen Serienideen!
Fotos: DVD-Cover „Beverly Hills, 90210 Season 1-3“
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Michael Bauer wurde 1980 in Leonberg geboren und arbeitet als Redakteur und freier Autor. Momentan lebt er im badischen Ettenheim bei Lahr im Schwarzwald. |
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