Whitney Houston will es noch einmal wissen: Ihre Skandalehe mit Bobby Brown und ihre Drogenkarriere hat sie endlich hinter sich gelassen. Über sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum startet die US-Sängerin mit „I Look To You“ neu durch. Für ihr Comeback hat sie zum einen ihren Entdecker, Produzentenlegende Clive Davis, verpflichtet, zum anderen bekannte Namen wie Akon, Nate „Danja“ Hills, Swizz Beats, David Foster und Diane Warren.
Die erste Single „Million Dollar Bill“, die das Album eröffnet, stammt aus der Feder von Alicia Keys und groovt im 70er-Soulgewand. Leider fehlt es der Uptempo-Nummer an einer zündenden Melodie, im Radio dürfte sie es daher schwer haben. Vor allem kann Whitney nicht zeigen, was sie stimmlich so alles drauf hat. Oder sollte es besser heißen: hatte?!
Der folgende Synthie-Song „Nothin’ But Love“ und der an Ne-Yo erinnernde R’n’B-Track „Call You Tonight“ bestätigen die Vermutung, dass sie stimmliche Herausforderungen möglichst meiden will. Dieses austauschbare Material könnte jedes mehr oder weniger begabte Popsternchen trällern. Von einer Whitney Houston erwartet man definitiv mehr!
Angezogene Handbremse…
Mit der Ballade „I Look To You“, die ihr R. Kelly geschrieben hat, geht es zumindest musikalisch in die richtige Richtung. Doch auch hier hält sich die 46-Järige dezent zurück, ihre Stimme klingt deutlich tiefer und rauer als früher. Spätestens den selbstbewussten Text von „I Didn’t Know My Own Strength“ hätte Houston dann aus vollem Herzen und in altbewährter Manier schmettern müssen. Doch Fehlanzeige! Sie singt weiterhin mit angezogener Handbremse und man ahnt: Die letzten Jahre scheinen an ihrer Röhre nicht spurlos vorbeigegangen zu sein.
Vielleicht hält sich Whitney deshalb auch auf der zweiten Albumhälfte an elektronische Plastik-Produktionen: Der Clubkracher „For The Lovers“ geht immerhin noch einigermaßen ins Ohr und in die Beine. Das belanglose „Worth It“, das viel besser zu einer Mariah Carey gepasst hätte, nervt dagegen mit einer sterilen, scheppernden Drumbox. „A Song For You“ beginnt erst vielversprechend mit Piano-Begleitung, bevor schließlich auch hier ein abgenutzter Dance-Beat einsetzt. Mit „Like I Never Left“ gibt es zuvor ein ziemlich langweiliges Duett mit Akon, das lediglich als Albumfüller taugt.
Die potenziellen Hits…
Wesentlich besser funktioniert das sommerliche „I Got You“, ein weiterer Song von und mit dem Sänger und Produzenten. Auch R. Kelly durfte doppelt ran: Sein ebenfalls hitverdächtiger Beitrag “Salute” beendet “I Look To You” recht versöhnlich. Mit den richtigen Single-Auskopplungen könnte sich Whitney also durchaus wieder auf den Chartsthron zurückkämpfen.
Damit das hierzulande ganz sicher klappt, wird die auferstandene Pop-Diva am 3. Oktober bei „Wetten dass..?“ kräftig die Werbetrommel rühren. Auch ein Auftritt mit „Million Dollar Bill“ ist geplant. Es können noch Wetten abgeschlossen werden, ob Whitney wirklich live singen wird…
Fazit: Durchwachsenes Comeback! (mb)

Anspieltipps: „I Look To You“, „I Didn’t Know My Own Strength“, „I Got You“, „Salute“
Für Fans von: Rihanna, Beyoncé, Brandy
Playlist:
01. Million Dollar Bill
02. Nothin' But Love
03. Call You Tonight
04. I Look To You
05. Like I Never Left
06. A Song For You
07. I Didn't Know My Own Strength
08. Worth It
09. For The Lovers
10. I Got You
11. Salute
VÖ: 28/08/09 (Sony)
Link: www.WhitneyHouston.com