Wie immer gut gekleidet, aber ausnahmsweise mal im Rollkragenpullover gibt sich Max Raabe auf den Fotos im Booklet zu „Übers Meer“ verhältnismäßig leger. Doch sein Albumdebüt ohne das Palast-Orchester bewegt sich nicht etwa in Richtung Pop, wie man zunächst mutmaßen könnte.
Der 47-jährige Raabe bleibt den alten, deutschen Schlagern der 20er und 30er treu: Die meisten der 15 Stücke, die er mit seinem markanten, näselnden Gesang neu interpretiert, entstanden gegen Ende der Weimarer Republik. Die ausnahmslos jüdischen Komponisten und Textdichter, darunter Robert Gilbert, Austin Egen und Walter Reisch, mussten im Zweiten Weltkrieg über Wien, Paris und London in die USA emigrieren – daher der CD-Titel „Übers Meer“.
Zwar präsentiert Raabe Lieder wie „Erst sagen sie ja“ oder „Sag nicht du zu mir“ mit gewohntem Charme und Witz, lässt bei „Wind der Wind weht über das Meer“ oder „Ganz dahinten wo der Leuchtturm steht“ aber auch zunehmend melancholische Augenblicke zu. Diese zeigen gerade durch die durchgehend reduzierte Pianobegleitung Wirkung. An den Tasten sitzt Raabes langjähriger musikalischer Begleiter Christoph Israel, der die Pointen der wortgewandten Schlager perfekt mit seinem Klavierspiel unterstreicht.
Das Duo Raabe und Israel tourt ab April durch Deutschland. Die Termine gibt es unter www.MaxRaabe.de.
Fazit: Raabe mal ruhig und intensiv, aber wie immer sehr unterhaltsam. (mb)

Anspieltipps: „Erst sagen sie ja“, „Ein Lied geht um die Welt“
Für Fans von: Comedian Hamonists
Playlist:
01. Weißt du was du kannst
02. Erst sagen sie ja
03. Weißt du denn du
04. Ninon
05. Lebe wohl, gute Reise
06. Ohne Worte lass uns scheiden
07. Ein Lied geht um die Welt
08. Ich bin ja nur eine Laune von dir
09. Sag ich Blau, sagt Sie Grün
10. Ich schau in deine Augen
11. Sag nicht du zu mir
12. Vier Worte möchte ich dir sagen
13. Irgendwo auf der Welt
14. Wenn der Wind weht über das Meer
15. Ganz dahinten wo der Leuchtturm steht
VÖ: 15/01/10 (Decca/Universal)
Link: www.MaxRaabe.de